Warum falscher Luftdruck gefährlich werden kann!

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Etwa jedes zweite Fahrzeug ist europaweit mit falschem Reifendruck unterwegs. Zu geringer Druck erhöht aber nicht nur den Kraftstoffverbrauch sowie den Reifenverschleiß, sondern kann zudem Reifenschäden verursachen.

Eine aktuelle Untersuchung des ADAC zeigt jetzt zusätzlich den Einfluss von zu geringem Luftdruck auf die Fahrstabilität und damit auf die Fahrsicherheit. Außerdem kann es wegen zu geringem Reifendruck an einzelnen Rädern bei Fahrerassistenzsystemen wie ABS und ESP zu Fehlfunktionen kommen.

Zu beachten ist zudem:

Weniger Fahrsicherheit und mehr Verbrauch:

Zu geringer Luftdruck ist teuer und gefährlich. Dies zeigen vergleichende Fahrversuche des ADAC mit korrektem und zu geringem Reifendruck. Dabei fanden die Tester heraus, dass bereits ein zu geringer Luftdruck von gerade mal 0,5 bar für spürbar verschlechterte Fahreigenschaften sorgt. Insbesondere die Spurtreue in Kurven kann zwischen 50 - 80 Prozent abnehmen. Noch gefährlicher für Insassen und auch andere Verkehrsteilnehmer: Der Bremsweg – selbst mit ABS – verlängert sich auf nasser Fahrbahn ab einem Minderdruck von 1 bar spürbar. Dies macht sich auch bei Spurwechseln bemerkbar. So lässt die Haftung der Reifen um bis zu 15 Prozent nach. Schlecht für Umwelt und Geldbeutel: Zusätzlich sorgt der steigende Rollwiderstand bei zu wenig Luft für einen Mehrverbrauch von bis zu 0,3 l auf 100 km. Viele gute Gründe also, regelmäßig die Reifen des Autos auf korrekten Druck zu kontrollieren und gegebenenfalls zu korrigieren. Der ADAC fordert deshalb die Hersteller auf, neue Autos serienmäßig mit Reifendruck-Kontrollsystemen anzubieten.

Weniger Grip bei Kurvenfahrten:

Bei Kurvenfahrt auf nasser Fahrbahn kann das besonders belastete kurvenäußere Vorderrad bereits bei einem Minderdruck von 0,5 bar nur noch etwa 80 % der Kräfte eines korrekt befüllten Reifens übertragen. Liegt der Reifendruck 1,0 bar unter dem vorgeschriebenen Wert, reduzierten sich die übertragbaren Kräfte auf unter 70%. In der Praxis bedeutet dies, dass das Fahrzeug aus der Kurve driftet extrem untersteuert und der Kurvenradius nicht gehalten werden kann. Weisen alle vier Reifen einen um etwa 1 bar zu geringem Fülldruck auf, reduzieren sich die an den Reifen übertragbaren Seitenkräfte auf fast die Hälfte (55 %). Je nach Fahrmanöver kann in dieser Situation die Kontrolle über das Fahrzeug leicht verlorengehen. Bei voller Beladung des Fahrzeuges verstärkt sich diese Tendenz natürlich zusätzlich.

Längerer Bremsweg:

Durch Reifenminderdruck an einem einzelnen Vorderrad verlängert sich der ABS-Bremsweg auf nasser Fahrbahn deutlich stärker als auf trockener Fahrbahn. Bei Minderdrücken von ungefähr 1,0 bar verlängert sich der Bremsweg auf nasser Fahrbahn um ca. 10 % im Vergleich zu einem korrekt befüllten Reifen. Dies bedeutet bei Vollbremsungen aus 100 km/h bis zum Stillstand unter sonst gleichen Bedingungen, dass das Fahrzeug mit unzureichendem Reifenfülldruck noch ca. 27 km/h schnell ist an der Stelle, an der das Fahrzeug mit korrekt befüllten Reifen bereits steht. Damit verlängert sich der Bremsweg von 52 Meter auf 56,5 Meter. Wichtig ist dabei auch, dass das ABS durch die unterschiedlichen Reifeneigenschaften nicht optimal arbeiten kann.

Gefährliche Ausweichmanöver:

Reifenminderdruck an einzelnen Reifen verschlechtert die Fahrdynamik bei Spurwechselmanövern dramatisch. Das bedeutet, dass das Fahrzeug schon viel früher ins Schleudern gerät, weil die Stabilität fehlt. Auch ESP kann in diesen Situationen nur bedingt abhelfen. Der Rollwiderstand von Reifen mit Minderdruck steigt bei Minderdrücken bis 1,5 bar deutlich an. In der Praxis bedeutet dies einen Mehrverbrauch bis 0,3 l/ 100 km.